Welches sind nun die Wertpapiere meiner Wahl für das monatliche Einkommen und die überdurchschnittliche Rendite? Vorweg, ich will hier nicht auf mein komplettes Portfolio eingehen, sondern die Wertpapierarten, in welche ich investiere, Covered Call ETFs, Split Shared Funds, Closed End Funds, REITS und BDCs, anhand von Beispielen aus meinem Portfolio erläutern. Mein gesamtes Portfolio sowie die darin befindlichen Einzelposten werde ich in nachfolgenden Beiträgen und Videos erläutern.
4.1. Covered Call ETFs

Covered Call ETFs sind im Prinzip gewöhnliche Exchange Traded Funds, die an jeder Börse bzw. über jeden Broker direkt erworben und gehandelt werden können. Häufig bilden Covered Call ETFs globale Aktienindizes wie den S&P 500, den NASDAQ oder andere Indizes nach. Entsprechend anderer ETFs sind auch bei Covered Call ETFs die Transaktions- und Verwaltungskosten im Vergleich zu aktiv gemanagten Mutual Funds gering. Auf der anderen Seite erzielen Covered Call ETFs durch den Verkauf von durch das dem ETF unterlegte Aktienportfolio gesicherte Kauf-Optionen, die sog. Covered Calls. Dabei gibt es zwei wesentliche Formen des Covered Calls:
- At-the-money Covered Calls – sind Covered Calls, deren sogenannter Strike-Price bei Ausgabe dem aktuellen Marktpreis des unterlegten Wertpapieres entspricht bzw. in engem Rahmen diesem nahe kommt.
- Out-of-the-money Covered Calls – sind Covered Calls, deren Strike-Price über dem Martkpreis des unterlegten Wertpapieres liegt.
Für beide Arten von Covered Calls gilt am Ende der Laufzeit, ist der Marktpreis unter dem Strike-Price, verfällt die Option und der Emittent, also der ETF, behält das Premium. Ist der Marktpreis über dem Strike-Price, muß der ETF den Käufern entweder die Wertpapiere verkaufen oder – was häufiger vorkommt – die Preisdifferenz durch Barzahlungen ersetzten.
Folge dieser Konstruktion ist, daß ein Covered Call ETF auf der einen Seite durch die Einnahmen aus dem Verkauf der Calls regelmäßige, wenn auch monatlich schwankende Dividenden ausschüttet. Der CC ETF aber auf der anderen Seite nicht im gleichen Maße an Capital Gains partizipiert wie normale ETFs auf den gleichen Index.
Als Beispiel zur Verdeutlichung nehme ich den Global X S&P 500 Covered Call ETF (XYLD) und vergleiche ihn mit dem Standard S&P 500 ETF, dem SWPPX Schwab® S&P 500 Index Fund. XYLD und SWPPX haben eine ziemlich identische Zusammensetzung ihrer Holdings aus Apple, Microsoft, Amazon, Alphabet, Johnson&Johnson, Exxon etc. und jeweils ca. 500 Aktien in ihrem Portfolio. Während der SWPPX damit in 2022 jedoch nur eine durschnittliche Jahresrendite von ca. 1.66% erzielte, schüttete XYLD 2022 Year-to-Date 13.38% aus.

Auf der anderen Seite verlor XYLD innerhalb der letzten 12 Monate 22.08% an Wert, während SWPPX seinen Verlust auf 19.63% eingrenzen konnte. Noch deutlicher wird der Unterschied im 5 bzw. 10 Jahresvergleich. Während der SWPPX im Vergleich zu vor 5 Jahren um 39.51% zulegen konnte, steht beim XYLD ein Minus von 23.32%. Bei 10 Jahren stehen +157% des SWPPX, -2.62% beim XYLD gegenüber.
Der Trade-Off ist offensichtlich und gilt im Prinzip für alle Covered Call ETFs im Vergleich zu ihren Index-Pendants. Rechnet man die Ausschüttungen in die ETF-Performance der CC ETFs mit ein, als würde man die Dividenden via DRIP (dividend reinvestment plan) anlegen, kommt man jedoch auf eine ähnliche Growth Performance.
Das Ziel bestimmt also den Weg. Will ich mit meinem Investment eine maximale Wertsteigerung erzielen und bin dafür bereit dieses Kapital jahre- bzw. jahrzehntelang in ETFs zu parken. Oder möchte ich mit meinem vorhandenen Kapital über regelmäßige Dividenden ein monatliches passives Einkommen erzielen und dabei den Kapitalstock weder angreifen, noch auflösen.
Wie mehrfach erwähnt, mein Ziel ist letzteres. Die monatlichen Dividendenzahlungen sollen bei mir mittelfristig als Substitut für Einkommen und Zuschlag zur Rente dienen.
4.2. Split Share Funds bzw. Split Share Corporations

Split Share Funds oder Split Share Corporations sind insbesondere in Kanada sehr beliebte Investment-Vehikel für Passiv-Income-Investors. In der Regel unterliegen diesen Fonds ebenfalls ETFs oder die Fonds bilden einen eigenen Index oder eine Gruppe von Unternehmen ab. Der Begriff Split Shares rührt daher, daß die Fonds zwei Arten von Wertpapieren anbieten, die sog. Preferred Shares und Class A Shares. Die Preferred Shares sind bei dieser Art Fond ziemlich stabile Investments. Ihr Preis bewegt sich um einen fixen Preis herum, beispielsweise 10 CAD$, ebenso der NAV (Net Asset Value = Buchwert), und die jährliche Rendite liegt so etwa zwischen 5 und 6%. Meist sind Preis und Rendite garantiert. Sie sind daher ideal für defensiv eingestellte Einkommensinvestoren, da sie Anleihen ähneln. Preferred Shares sind aber Eigenkapital und kein Fremdkapital, und werden bei Insolvenzen auch entsprechend nachrangig behandelt.
Class A Shares dagegen sind volatilere Investments. Split Share Funds realisieren über ihre Class A Shares nämlich den Hauptteil ihrer Hebelwirkung, um höhere, meist 2-stellige Renditen zu erzielen. Class A Shares reagieren daher stärker auf Konjunkturschwankungen und sind in ihren Wertveränderungen deutlich volatiler. Dies trifft auch auf die Dividenden und die Regelmäßigkeit der Ausschüttungen zu. Dies spiegelt sich denn auch in der Gesamtperformance der Shares und der Fonds wider. Eine weitere Besonderheit der Class A Shares ist, sobald deren Unit-NAV einen gewissen Wert, z.B. 15 CAD $ unterschreitet, stellt der Fond die Dividendenzahlungen für diese Shares ein, bis der Wert des Unit-NAV diese Grenze wieder überschritten hat.

Als Beispiel möchte ich hier den DGS – DIVIDEND GROWTH SPLIT CORP. Fond der kanadischen Firma Brompton Fonds herausgreifen. Dessen Class A Shares werden aktuell für 6.63 CAD$ gehandelt, der NAV beträgt 5.78 CAD$ und die Dividenden Rendite liegt bei 18%. Die Preferred Shares des Fonds werden dagegen für 9.51 CAD$ gehandelt, deren NAV beträgt 10.13$ und die Rendite 5.78%. Die Performance über die Jahre der unterschiedlichen Shares sieht wie folgt aus:

Die Wahl der Shares hängt also ganz von der Risikoaffinität des einzelnen Investors ab. Ich persönlich habe mich bisher immer für die Class A Shares, mich damit für das Risiko und die höhere Rendite entschieden. Ich versuche das Risiko durch breitere Streuung zu minimieren, hatte aber dieses Jahr aufgrund der schlechten Börsenentwicklung Ausfälle der Class A Shares Dividenden zu verzeichnen. Dennoch hat sich unterm Strich mein Investment in die Class A Shares, statt in die Preferred Shares gelohnt.
4.3. Closed End Funds
Ein Closed End Fund ist ein Investmentfonds, der eine feste Anzahl von Anteilen durch einen einzigen Börsengang (IPO) ausgibt, um Kapital für seine Anfangsinvestitionen zu beschaffen. Dessen Anteile können dann an einer Börse gekauft und verkauft werden, es werden jedoch keine neuen Anteile geschaffen und es fließen keine neuen Gelder in den Fonds.
Wie andere Investmentfonds investiert ein CEF in Wertpapiere und wird von einer Investmentfirma aktiv gemanaget. Anders als andere Investmentfonds oder ETFs sind CEFs jedoch geschlossen, weil wie oben erwähnt in ihrer Anzahl der Anteile limitiert. Ein CEF kann sein Kapital nur dadurch erhöhen, daß wie bei einer Aktiengesellschaft per Vorstands- oder Anteilseigner-Beschluß neue Anteile ausgegeben werden, entweder als „secondary shares“, „preferred shares“ oder als „rights offering“.
CEFs werden nach IPO ausschließlich an der Börse gehandelt, wie andere Wertpapiere. Ein direkter Verkauf über die Fondgesellschaft findet nicht statt.
Als Hebel für die Erzielung höherer Renditen dient CEFs in der Regel die Erhöhung des einsetzbaren Kapitals durch die Aufnahme von Fremdkapital, in Form der Aufnahme von Krediten oder der Ausgabe von Anleihen.
In Nordamerika gibt es eine große Anzahl an CEFs mit den verschiedensten Anlagestrategien. Manche CEFs bilden wie ETFs Aktien-Indizes nach, andere investieren in eine gezielte Auswahl von Aktien, wieder andere in festverzinsliche Anleihen etc. Es gibt sogar eine Reihe von einkommensorientierten CEFs, welche in andere, ebenfalls einkommensorientierte Fonds investieren. Hier ein paar Beispiele der verschiedenen CEF-Formen:
4.3.1. ARDC – Ares Dynamic Credit Allocation Fund

ARDC ist ein geschlossener festverzinslicher Investmentfonds, der von Ares Management LLC aufgelegt wurde. Der Fonds wird von Ares Capital Management II LLC verwaltet. Er investiert in die Rentenmärkte Europas. Der Fonds investiert hauptsächlich in Schuldtitel wie vorrangige Darlehen, die hauptsächlich an Unternehmen vergeben werden, deren Schuldtitel unter Investment Grade bewertet sind, Unternehmensanleihen, bei denen es sich hauptsächlich um Hochzinsanleihen mit einem Rating unter Investment Grade handelt, von CLOs begebene Schuldtitel und andere festverzinsliche Instrumente. Es konzentriert sich bei der Zusammenstellung seines Portfolios auf Faktoren wie das allgemeine makroökonomische Umfeld, die Finanzmärkte und unternehmensspezifisches Research und Analysen.
Der Fond schüttete im Jahr 2022 monatlich in Durschnitt 1.00 US$ aus. Die monatlichen Dividenden schwankten in den letzten 10 Jahren zwischen 1.40 und 1.10 US$. Damit erzielte der Fond eine jährliche Rendite von ca. 10% pro Jahr pro Anteilswert. Auf Jahressicht hat der Fond 2022 knapp 25% an Wert verloren, auf 5-Jahressicht 27% und auf 10 Jahre betrachtet 40%. Dennoch bleibt Netto bei Verrechnung von Wertverlust und Dividendenausschüttung eine positive Differenz ohne Berücksichtigung einer Wiederanlage der Ausschüttungen, und unter der Annahme, daß der Wertverlust durch Verkauf der Fondanteile nach 10 Jahren realisiert wird.
4.3.2. CLM – Cornerstone Strategic Value Fund

Cornerstone Strategic Value Fund, Inc. ist ein geschlossener Aktienfonds, der von Cornerstone Advisors, Inc. aufgelegt und verwaltet wird. Der Fonds investiert weltweit in öffentliche Aktienmärkte. Er ist bestrebt, in Aktien von Unternehmen zu investieren, die in diversifizierten Sektoren tätig sind. Der Fonds investiert hauptsächlich in Substanz- und Wachstumsaktien von Unternehmen. Es investiert auch über andere geschlossene Investmentgesellschaften und ETFs. Cornerstone Strategic Value Fund, Inc. wurde am 1. Mai 1987 gegründet. CLMs Hauptinvestments sind amerikanische Bluechips wie Apple, Microsoft, Alphabet, Pfizer, Coca Cola, Berkshire Hathaway etc.

Der Fond legt jedes Jahr im November seine Dividendenausschüttung mit 21% des NAVs (Net-Asset-Value = Netto Buchwert) seines Aktienportfolios fest. Das ist angesichts der Portfoliostruktur ein sehr hoher Wert und man sollte sich mit Recht fragen, wie dieser Fond seine hohe Rendite erzielt. Um die Antwort vorwegzunehmen, er tut es nicht. Der Fond hat zwar ein Schulden-zu-Eigenkapital Verhältnis von 0.48 und damit einen signifikanten Hebel für höhere Eigenkapitalrenditen. Ein Großteil der Ausschüttung ist jedoch Capital-Return. D.h. man bekommt mit jeder Ausschüttung pro Monat ein Stück seines investierten Kapitals zurück. Der Fond gleicht diesen Kapitalabfluß jedes Jahr durch entsprechende Kapitalerhöhungen wieder aus.
Die Folge ist jedoch insbesondere in schlechten Börsenjahren wie 2022, daß der NAV wie auch der Wert der Fondanteile kontinuierlich sinkt und mit ihm auch die reale Dividendenrendite. Trotzdem kann der Fond aufgrund seiner kontinuierlichen und über 12 Monate stabilen Ausschüttungen eine Ergänzung zu einem einkommensorientierten Portfolio sein, die über die Jahre den Wertverlust der Anteile mehr als kompensieren. Gleiches gilt für den Schwesterfond CRF – Cornerstone Total Return Fund, der sich Anlage- und Ausschüttungsstrategie teilt und dessen Portfolio nur graduell von CLM abweicht. Jeder Investor sollte eben wissen worauf er / sie sich einlässt und ob man den tendenziellen Wertverlust der Anteile aushält.
4.3.3. EIT.UN – Canoe EIT Income Fund

Der Canoe EIT Income Fund ist ein geschlossener Mischfonds, der von Canoe Financial LP aufgelegt und verwaltet wird. Es wird von Haber Trilix Advisors, LP mitverwaltet. Der Fonds investiert in die öffentlichen Aktien- und Rentenmärkte Kanadas und der Vereinigten Staaten. Sein Aktienanteil zielt darauf ab, in die Aktien von Unternehmen zu investieren, die in diversifizierten Sektoren tätig sind. Der Fonds investiert hauptsächlich in Wachstums- und Substanzaktien von Mid-Cap- und Large-Cap-Unternehmen. Er investiert in Aktien und Schuldtitel von Royalty and Income Trusts, Kapitalgesellschaften, Personengesellschaften oder anderen Emittenten. Der Fonds war früher unter dem Namen EnerVest Diversified Income Trust bekannt. Der Canoe EIT Income Fund wurde am 5. August 1997 gegründet und ist in Kanada ansässig.
EIT.UN ist zu 53.1% in kanadische Aktien investiert, 38.5% entfallen auf US Aktien und 7.7% auf globale Aktien. Dazu kommt eine Beimischung von Anleihen mit 0.7%. Aufgrund des Schwerpunktes in kanadischen Aktien sind der Energiesektor mit 22.7% und der Finanzsektor mit 20.5% am stärksten vertreten, dicht gefolgt vom Gesundheitssektor mit 19.4%. Der Fond schüttet eine monatliche Dividende von ca. 9 bis 9.5% Jahresrendite aus. Darüber hinaus war die Performance in 2022 auch wegen der Gewichtung der Investments mit -4% recht ordentlich im Verlgeich zu den gängigen Indizes und anderen Fonds. Auf die letzten 5 Jahre gesehen legte der Fond zusätzlich zu seinen Ausschüttungen um 7.17% zu und im Zeitraum der letzten 10 Jahre verlor der Fond knapp 20%. Der Gesamtreturn bei unterstellter Wiederanlage (Compound Return) liegt nach ein, fünf bzw. zehn Jahren bei 29.6%, 15.2% bzw. 12.3% pro Jahr.

Wer 2012 10,000 Euro in EIT.UN investiert hätte, könnte heute bei Thesaurierung der Ausschüttungen 31,840 Euro auf seinem Konto verbuchen.