4.4. BDCs und REITs
4.4.1. Business Development Companies (BDCs)
Eine Business Development Company (BDC) ist eine Organisation, die in kleine und mittlere Unternehmen sowie notleidende Unternehmen investiert. Ein BDC hilft diesen Firmen, in der Anfangsphase ihrer Entwicklung zu wachsen. Bei notleidenden Unternehmen hilft die BDC den Unternehmen, wieder auf eine solide finanzielle Basis zu kommen.
Ähnlich wie geschlossene Investmentfonds sind viele BDCs öffentliche Unternehmen, deren Aktien an großen Börsen wie der American Stock Exchange (AMEX), Nasdaq und anderen gehandelt werden. Als Investitionen sind sie risikoreich, bieten aber höhere Renditen. BDCs sind gesetzlich verpflichtet 90% ihrer Gewinne an ihre Anteilseigner auszuschütten, um diese steuerfrei zu halten.
BDCs wurden 1980 vom US Kongress ins Leben gerufen, um aufstrebenden Unternehmen die Beschaffung von Kapital zu erleichtern und um dadurch das Beschäftigungswachstum anzukurbeln. Sie fungieren praktisch als privatisierte Entwicklungsbanken, wie die deutsche KfW (Kreditanstalt für Wiederaufbau). Zwei Beispiele für über Jahrzehnte erfolgreiche BDCs sind Ares Capital (Ticker-Symbol: ARCC, gegründet 2004) und Owl Rock Capital (ORCC, gegründet 2015). Sowohl Owl Rock Capital als auch Ares Capital Corporation sind renditestarke BDCs mit Investment-Grade-Bilanzen. Beide gelten auch als die besten BDCs ihrer Art und werden von führenden alternativen Vermögensverwaltern wie Blue Owl (OWL) und Ares Management (ARES) unterstützt.

ARCC ist zu 45 % in erstrangig besicherten Darlehen, zu 18 % in zweitrangig besicherten Darlehen, zu 17 % in Beteiligungen und zu 20 % in sonstigen Darlehen und Vorzugsaktien engagiert. 73 % seiner Anlagen bestehen aus variabel verzinslichen Schuldtiteln, 10 % aus festverzinslichen Schuldtiteln, 10 % aus nicht ertragsgenerierenden Vermögenswerten und 7 % aus Dividendenpapieren. Seine gewichtete durchschnittliche Gesamtrendite auf die Gesamtanlagen beträgt 9,6 %.
Sein Branchenengagement begünstigt stabilere Cashflow-Geschäftsmodelle, darunter ein 23-prozentiges Engagement in Software und ein 10-prozentiges Engagement im Gesundheitswesen als seine beiden wichtigsten Branchen.

ORCC hingegen ist zu 72 % in erstrangig besicherten Darlehen, zu 14 % in zweitrangig besicherten Darlehen, zu 9 % in Beteiligungen und zu 5 % in sonstigen Darlehen und Vorzugsaktien engagiert. ~86 % seiner Anlagen sind in variabel verzinsliche Schuldtitel investiert, der Rest ist entweder festverzinslich, Dividenden zahlend oder ertragslos. Seine gewichtete durchschnittliche Gesamtrendite auf die Gesamtanlagen beträgt 10,0 %.
Wie ARCC ist auch ORCC in erster Linie auf defensivere Branchen gewichtet, mit 13 % Engagement in Software, 10 % Engagement in Finanzdienstleistungen, 9 % Engagement in Versicherungen und 7 % Engagement in Lebensmittel- und Getränkeunternehmen als Top-Branchen.
ARCC schüttet quartalsweise Dividenden von umgerechnet derzeit 9.42% (TTM) aus, ORCC 10.62%. Während der Wert einer ARCC-Aktie sich im 1-,5- und 10-Jahresvergleich um -11.06%, +18.65% bzw. 5.68% verändert hat, hat ORCC auf Jahressicht -16.58% verloren, auf 3.5 Jahressicht seit IPO 20.97%.
4.4.2. Real Estate Investment Trust (REIT)
Ein Real Estate Investment Trust (REIT) ist ein Unternehmen, das ertragsgenerierende Immobilien besitzt, betreibt oder finanziert. Nach dem Vorbild von Investmentfonds bündeln REITs das Kapital zahlreicher Investoren. Dies ermöglicht es einzelnen Anlegern, Dividenden aus Immobilieninvestitionen zu erwirtschaften – ohne selbst Immobilien kaufen, verwalten oder finanzieren zu müssen.
REITs wurden vom US-Kongress im Jahre 1960 eingeführt. Wie BDCs sind auch REITs verpflichtet 90% ihrer Gewinne vor Steuern als Dividenden an die Anteilseigner auszuschütten, damit diese für das Unternehmen steuerfrei bleiben. Die meisten REITs haben ein unkompliziertes Geschäftsmodell: Der REIT vermietet Flächen und kassiert Mieten für die Immobilien und schüttet diese Einnahmen dann als Dividenden an die Aktionäre aus. Sogenannte Mortgage-REITs (mREITs) besitzen keine Immobilien, sondern finanzieren stattdessen Immobilien. Diese REITs erzielen Erträge aus den Zinsen ihrer Anlagen.
Als zwei Beispiele für gut geführte REITs möchte ich hier Arbor Realty Trust, Inc. (Ticker: ABR) und Omega Healthcare Investors, Inc. (Ticker: OHI) nennen. OHI ist ein klassischer REIT, welcher primär in die Pflegebranche, hier hauptsächlich in Einrichtungen der qualifizierten Pflege und des betreuten Wohnens investiert Bei ABR dagegen handelt es sich um einen mREIT, welcher in ein diversifiziertes Portfolio strukturierter Finanzanlagen auf den Märkten für Mehrfamilienhäuser, Einfamilienhäuser und Gewerbeimmobilien in den Vereinigten Staaten investiert.

Arbor Realty gilt unter den mREITs eines der bestgeführten Unternehmen mit einem breit gestreute Einkommensquellen und als einer der Top-Geldverleiher unter den m REITS mit Fokus auf bestimmte US Regierungsprogramme für den Häusermarkt. Arbor hat dabei mittlerweile eine Historie von jährlichen Dividendenerhöhungen in den letzten neun Jahren und quartalsweise Erhöhungen über die letzten 10 Quartale, dies alles trotz Pandemie und zwischenzeitlicher Rezession. Arbor hat im letzten Jahr mit 26.1% trotz Zinserhöhungspolitik der Fed im Vergleich zu anderen mReits deutlich weniger an Wert verloren (z.B. vs Annaly Capital -30.55% oder Orchid Island Capital -52.06%). Im 5 Jahres Vergleich hat der Wert von ABR um 63.49% zugelegt und im 10 Jahres Vergleich um 103.41%, trotz jährlicher Dividendenerhöhungen. Annaly (-51.91 und -52.98%) und Orchid Island (-74.71 und 85%) schlossen in den gleichen Zeiträumen deutlich schlechter ab. Selbst der Flagship Fond von Cathie Woods kann da nicht mithalten.

Omega Healthcare gilt als klassischer REIT mit seinem Fokus auf Pflegeeinrichtungen ebenfalls als solide geführt und bezüglich seiner Holdings gut aufgestellt. Das hat sich bisher auch in dessen Wertentwicklung widergespiegelt. Auf ein Jahr betrachtet hat Omega nur 9.3% an Wert verloren, auf 5 Jahre 5.52% gewonnen und auf 10 Jahre 10.33%. Dabei hat Omega Healthcare immer zwischen 8 und 10% Dividende pro Jahr ausgeschüttet.
Dennoch musste Omega Healthcare am 10. Januar einen Wertverlust von mehr als 6% verkraften, der mittlerweile aber wieder fast vollständig aufgeholt wurde. Grund hierfür war die Veröffentlichung einer Gewinnwarnung von Omega Health, weil einige Betreiber der vermieteten Pflegeeinrichtungen ihre Mieten nicht bezahlt haben.
5. Passiv-EI erklärt – Fazit
Passives Income Investing ist neben Growth-, Value- und Dividend-Investing eine von vielen Möglichkeiten durch Investitionen an der Börse kontinuierlich Vermögen zu bilden. Passives Einkommensinvesting unterscheidet sich wie die anderen Investitionsstrategien dabei grundsätzlich von Day-Trading, Option-, Futures- oder Zertifikate-Handel, wie auch dem Krypto-Handel durch den langfristigen Zeithorizont und durch das Fehlen des spekulativen Elements. Passives Einkommensinvesting differenziert sich darüber hinaus von den anderen Investitionsansätzen dadurch, daß nicht die maximale Rendite bzw. der maximale Total Return im Vordergrund steht, sondern der kontinuierliche, monatliche Cashflow. Er soll mittel- bis langfristig als Einkommensersatz dienen und somit dem Investor finanzielle Unabhängigkeit bringen, ohne dabei sein Portfolio regelmäßig umschichten und Teile davon verkaufen zu müssen. PII bzw PEI soll den Investor auch in gewisser Weise vom zyklischen Marktgeschehen befreien, insbesondere von der Notwendigkeit sich von Investitionen in einem Bärenmarkt zu trennen. Konsequent betrieben, gelingt dies auch in einem gewissen Rahmen. Man muss dafür allerdings als Investor nicht realisierte Wertverluste aushalten können, ohne seine Assets panikartig zu verkaufen.
Passives Einkommensinvesting ähnelt am stärksten dem Dividend-Investing, wobei Dividend-Investing nicht auf den maximalen Cashflow, sondern mehrheitlich auf die maximale Dividendensicherheit abzielt. Dividenden-Investoren kaufen daher Firmen wie Procter & Gamble, Coca-Cola, Exxon, RWE, BASF, Daimler etc., welche über Jahrzehnte ihre Dividenden konstant ausbezahlen und erhöhen.
Wie alle Investitionsstrategien ist auch Passives Einkommensinvesting nicht ohne Risiko. Das größte Risiko besteht darin, auf der Jagd nach der höchsten Dividendenrendite in Funds oder einzelne Wertpapiere (BDCs oder REITs) investiert, welche sich als klassische Dividendenfallen erweisen. Dividendenfallen sind Wertpapiere, die wie der oben genannte Cornerstone Strategic Value Fund mit einer zweistelligen Dividendenrendite locken, dabei aber konstant und konsequent den Buch- und somit den eigenen Anteilswert vernichten. Eine kleine Beimischung solcher Dividendenfallen kann zwar in kleinem Umfang Sinn machen. Wer aber hauptsächlich in solche Papiere investiert ist, wird seines Lebens nicht froh. Zumal mit dem Wertverlust auch meist eine regelmäßige Dividendenkürzung einhergeht.
Ein weiteres Risiko steckt in die Investition in einzelne Wertpapiere, die durch die Pleite des ausgebenden Unternehmens vollständig ausfallen, beispielsweise in stark gehebelte Einzelunternehmen oder Funds byw. non-investment-Grade Unternehmensanleihen schlecht geführter Unternehmen. Auf der sichersten Seite bewegt man sich dagegen mit einkommensorientierten Fonds und ETFs, welche mit moderatem Hebel eine regelmäßige und überdurchschnittliche Ausschüttung erzielen.
Grundsätzlich kann jeder Do-It-Yourself Investor diese Investitionsstrategie wählen und sich über Jahre ein zweites Einkommen aufbauen, welches mittel- bis langfristig das Erst-Einkommen bzw. die Rente vollständig ersetzen kann. Am geeignetsten ist passives Einkommensinvesting aber natürlich für Investoren wie mich, die schon über eine gewissen, über Jahre angesparten Kapitalstock verfügen. Je höher der Kapitalstock und / oder die Risikobereitschaft ist, desto höher ist auch das Einkommen, das man erzielen kann. Solltet Ihr Euch für diese Investitionsstrategie erwärmen können, dann wünsche ich Euch wie immer auf jeden Fall viel Spaß und viel Erfolg dabei.